Vogelnisthilfen und Fledermauskästen als Ersatz für verlorene Bäume – Ergebnisse für das Jahr 2023

Vogelnisthilfen

In den letzten drei Jahren wurden (wie berichtet) eine Vielzahl an Vogelnisthilfen im Projektgebiet an den Standorten ausgebracht, an denen im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht Bäume auf Zweckverbandsgrundstücken gefällt werden mussten. Im Vergleich zum Vorjahr kamen weitere Nisthilfen hinzu, deren Belegung in 2023 ebenfalls überprüft werden konnten:

  • Am Bruchelsbach bei Alsweiler wurde ein Höhlenkasten (vermutlich durch einen Steinwurf) zerstört, für diesen wurde Anfang 2023 ein neuer angebracht, der kaputte wurde jedoch als Halbhöhle hängen gelassen.
  • Am Standort „Berschweiler Schullandheim“ wurde für die Fällung zweier Weiden an der Landstraße zwischen Berschweiler und Marpingen Ende 2022 drei Starenkästen, eine Halbhöhle und zwei Höhlenkästen angebracht.
  • In der Ill-Aue bei Eppelborn wurde zudem im Februar 2023 ein Starenkasten ersetzt, der zerstörte wiederum als Halbhöhle hängen gelassen, und zudem eine Halbhöhle und ein Höhlenkasten ersetzt, welche entwendet wurden.
  • Dieses Jahr konnten zudem die Ende 2022 ausgebrachten acht Höhlenkästen zwischen Urexweiler und Hirzweiler erstmals auf Besatz überprüft werden, ebenso 15 (alte) Vogelnisthilfen zwischen Berschweiler und Urexweiler, welche im vergangenen Herbst/Winter erst entdeckt und gereinigt wurden.

Somit beläuft sich die Anzahl der gereinigten und mehrfach während der Brutzeit überprüften Nisthilfen in unserem Verbandsgebiet inzwischen auf 100 (61 Höhlenkästen mit 26-32 mm Einfluglochdurchmesser, 16 spezielle Starenkästen mit 45 mm Einfluglochdurchmesser, 16 Halbhöhlen, sechs spezielle Nisthilfen für Baumläufer und eine für den Waldkauz). Es wurde wiederum jeweils das Gleiche ca. 1 km lange Transekt pro Standort wie in den Vorjahren begangen bzw. an den Standorten zwischen Urexweiler und Berschweiler und Hirzweiler wurden neue ca. 1 km lange Transekte neu festgelegt und erstmals begangen. Bei den Kartierungen wurde wie gehabt stets ein Fernglas und die NaturaList App von www.ornitho.de verwendet, in welcher man im Gelände die Beobachtungen direkt mit GPS verorten kann. Auf diese Weise konnte sowohl ein direkter Besatz der Vogelnisthilfen (durch ein- und ausfliegende und futtertragende Altvögel und durch das Verhören von Jungvögeln im Kasten) bei den 3-4 Transektbegehungen während der Brutzeit nachgewiesen werden und zusammen mit zumeist mind. einer weiteren Begehung zur Zug- und Rastzeit der Großteil der in dem jeweiligen Untersuchungsgebiet vorkommenden Vogelarten erfasst und ihr Brutstatus ermittelt bzw. abgeschätzt werden (Tab. 1). Im Falle der Wasseramsel-Nisthilfen wurde während der Brutzeit von einem Beobachtungspunkt aus diese und die Gewässerumgebung ca. 15 min pro Begehung beobachtet. Bei der Reinigung der Kästen wurde dann endgültig festgestellt, ob diese im Jahr 2023 angenommen wurden (Tab. 2). Zu Bestimmung der Nester wurde BirdLife Schweiz (2021) genutzt.

Ergebnisse 2023 und Vergleich mit den Vorjahren

Insgesamt lagen von fünf Standorten, an denen Nisthilfen angebracht wurden, Daten aus allen drei Erfassungsjahren 2021-2023 vor, sodass diese zusammenbetrachtet werden konnten. Über die Jahre wurden in etwa gleich viele Arten festgestellt (69-73: Abb. 1, Tab. 3), ebenso die möglichen bis sicheren Brutvögel darunter (54-60: Abb. 1, Tab. 3). Insgesamt wurden inzwischen zusammen über die drei Jahre 84 unterschiedliche Vogelarten auf diesen fünf Transekten erfasst, wovon 69 mögliche bis sichere Brutvögel an den betrachteten Standorten darstellten (Tab. 2 und Tab. 3).

Am Rohrbach bei Berschweiler konnten dieses Jahr insgesamt 12 Vogelarten mehr als im Vorjahr (und sogar 15 mehr als 2021) beobachtet werden, zudem fanden sich zehn Brutvogelarten mehr als im Vorjahr (15 mehr als 2021: Tab. 1, Abb. 2).

Am Standort „Alsweiler Bruchelsbach“ wurden über die drei Jahre hinweg fast gleich viele Arten insgesamt (29-30: Tab. 1) als auch Brutvogelarten (26-28: Tab. 1, Abb. 2) verzeichnet. Auch wenn einzelne Arten nur in einem Jahr auftauchten, kamen dafür neue hinzu. Ebenso kann das Artinventar in der Ill-Aue bei Eppelborn über die drei bisherigen Erfassungsjahre als mehr oder weniger gleichbleibend verzeichnet werden (45-54 Arten insgesamt, 38-43 Brutvögel: Tab. 1, Abb. 2). Das Gleiche gilt auch für den Standort „Urexweiler Rübendellbach“ mit 29-35 insgesamt erfassten Vogelarten und bisher immer jährlich 26 möglichen bis sicheren Brutvögeln (Tab. 1, Abb. 2).

Am Standort „Berschweiler Schullandheim“ hingegen wurden dieses Jahr sechs Arten weniger als im Vorjahr und sogar 13 Arten weniger als 2021 verzeichnet. Auch 2023 fanden vier der fünf Begehungen hier während der Brutzeit statt, trotzdem wurden eine Brutvogelart weniger als im Vorjahr und sogar zehn weniger als 2021 verzeichnet (vgl. Tab. 1, Abb. 2). Die Gründe hierfür sind unklar, v.a. hat sich die umgebende Landnutzung nicht verändert und ist weiterhin als „optimal heterogen“ (Laub- und Nadelwald, Grünland, Streuobst, Brache, Acker) zu bezeichnen. Die Artenzahlen bleiben trotzdem hoch, jedoch wurde der Standort von der „Ill-Aue Eppelborn“ auf den zweiten Platz bezüglich erfasster Vogelarten insgesamt als auch Brutvögel verdrängt (vgl. Abb. 2).

An den beiden neuen Standorten zwischen Urexweiler und Berschweiler bzw. Hirzweiler wurde dieses Jahr erstmals Daten generiert. Die Ergebnisse sind ebenfalls in den Tab. 1 und 2 dargestellt, nicht jedoch in Abb. 1 und Tab. 3 berücksichtigt, da diese die Vergleiche verfälschen würden. Die Gesamtartenzahlen und der Anteil möglicher bis sicherer Brutvögel daran sind jedoch auch für diese beiden Standorte in Abb. 2 dargestellt. Mit 41 insgesamt festgestellten Arten, davon 32 mögliche bis sichere Brutvögel, kann der Standort zwischen Urexweiler und Hirzweiler als artenreich eingeordnet werden (Tab. 1, Abb. 2). Auf dem Transekt zwischen Berschweiler und Urexweiler wurden wiederum mit 18 Arten (17 Brutvögel) die geringste Artenzahl aller sieben Standorte festgestellt (Tab. 1, Abb. 2). Nur der Feldsperling (wahrscheinliches Brüten zwischen Urexweiler und Hirzweiler) wurde bisher auf den anderen fünf Transekten mit mehrjährigen Daten noch nicht nachgewiesen (Tab. 1) und erhöht damit die Anzahl der insgesamt an allen sieben Standorten mit Nisthilfen festgestellten Arten auf 85 und die der möglichen bis sicheren Brutvogelarten auf 70.

Ergebnisse im Jahr 2023 an den einzelnen Standorten

Am Bruchelsbach bei Alsweiler wurden 2021 alle vier im Projektgebiet vorkommenden Grasmückenarten festgestellt, 2022 nur Mönchs- und Dorngrasmücke durch eigene Erfassung (die Gartengrasmücke wurde im späteren Jahresverlauf bei www.ornitho.de gemeldet). Dieses Jahr wurden nur Mönchs- aber dafür wiederum die Klappergrasmücke nachgewiesen, beide mit Revierverhalten (Tab. 1). Von den streng geschützten Arten wurde nochmals der Grünspecht auf der dortigen Streuobstwiese, der Mittelspecht und der Mäusebussard mit Revierverdacht festgestellt. An selten(er)en Arten wurden – wie bereits 2021 – ein singender Fitis sowie erstmals eine singende Gebirgsstelze und dieses Jahr auch ein Schwanzmeisenpaar zur Brutzeit entdeckt (Tab. 1). Erwähnenswert ist zudem ein Paar der Mandarinente (Abb. 3), welches auf einem vom Europäischen Biber gefällten Baum, der in einen Weiher stürzte, begann, ein Nest zu bauen. Es kam jedoch wohl zu keiner erfolgreichen Brut im Gebiet, zumindest wurde dieses Nest nicht fertiggestellt. Der gefährdete Trauerschnäpper konnte dieses Jahr zwar nicht verhört werden, es wurden jedoch insgesamt drei Nester in den Höhlenkästen gefunden, zwei davon wurden im späteren Jahresverlauf auf Meisennester gebaut (Tab. 1 und Tab. 2).

Insgesamt wurden 55% der an diesem Standort ausgebrachten Nisthilfen angenommen (nur Höhlenkästen), im Vorjahr waren dies 60% und vor zwei Jahren 65% (Tab. 2). Die Höhlenkästen wurden wiederum größtenteils von Meisen belegt, teils vom Kleiber (Abb. 4) und von den 12 hier angebrachten Höhlenkästen (inkl. Starenkästen) wurden 11 (= 92%) dieses Jahr mind. einmal zur Brut genutzt; von den Halbhöhlen wurde hingegen dieses Jahr keine einzige, ebenso wenig der Waldkauzkasten und die Baumläuferkästen angenommen (Tab. 2). Insgesamt wurden sechs Höhlenkästen im Jahr 2023 am Bruchelsbach zudem doppelt genutzt, im Vorjahr war dies in vier und 2021 nur in einem Kasten beobachtet worden (Tab. 2).  Letztlich konnten noch vier weitere Meisenbruten in Fledermaushöhlen verzeichnet werden (Tab. 2).

Am Berschweiler Rohrbach wurden dieses Jahr beinahe ein Drittel mehr Vogelarten nachgewiesen als in den beiden Vorjahren (Tab. 1). Hervorzuheben ist in unseren Nistkästen die Annahme einer Halbhöhle, die in direkter Gewässernähe hängt, durch das dortige Gebirgsstelzenpaar (Tab. 1 und Tab. 2) sowie eine erfolgreiche Brut des Graureihers (Abb. 5) mit mindestens zwei ausgeflogenen Jungvögeln (Tab. 1) an einem Angelweiher. Zudem wurde hier erstmals ein Silberreiher als Gastvogel festgestellt (Abb. 6) ebenso Kanadagänse zur Brutzeit (Abb. 7). An streng geschützten Arten wurde mehrfach der Mäusebussard während der Brutzeit hier erfasst (ohne jedoch den genauen Horststandort zu kennen); auf den weiter entfernten Ackerflächen im Gebiet wurden bereits in den Vorjahren Feldlerchen im Singflug festgestellt, dieses Jahr wurde ein revieranzeigendes Männchen im Grünland dem Transekt zugeordnet (Tab. 1). Weitere streng geschützte und/oder gefährdete Arten (Rauchschwalbe, Rotmilan) wurden nur als Nahrungsgäste bzw. außerhalb der Brutzeit (Schwarzspecht) verzeichnet (Tab. 1). 

Es wurden fünf der acht Nisthilfen angenommen, eine Halbhöhle, wie erwähnt, von der Gebirgsstelze, der Höhlenkasten von Meisen und die Starenkästen wiederum allesamt von der Zielart; die Baumläufernisthilfen blieben wie in den Vorjahren unbesetzt (Tab. 2).

Am Berschweiler Schullandheim kamen, wie erwähnt, zu den seit Langem im Gebiet hängenden 15 Höhlennistkästen dieses Jahr sechs weitere Vogelnisthilfen hinzu; die Halbhöhle wurde hier ebenfalls nicht angenommen, von den neuen fünf Höhlen- und Starenkästen jedoch direkt in der ersten Saison vier (Tab. 2). Von den somit insgesamt 20 Höhlenkästen wurden 18 (= 90%) angenommen, v.a. von Meisen (Tab. 1 und Tab. 2, Abb. 8). Ein Kasten wurde dieses Jahr doppelt belegt (vom Trauerschnäpper, gefolgt von Meisen), letztes Jahr waren dies zwei, im Jahr 2021 ebenfalls nur einer (Tab. 2).

Im Jahr 2023 war an diesem Standort noch immer eine recht hohe Artenzahl insgesamt als auch möglicher bis sicherer Brutvögel zu verzeichnen, jedoch nun im zweiten Jahr in Folge rückläufig (siehe oben, vgl. Tab. 1 - Tab. 2, Abb. 2). Bedauerlich war das diesjährige Fehlen von insgesamt sieben potenziellen Brutvögeln, welche streng geschützt sind und/oder auf der saarländischen Roten Liste geführt werden und in den beiden Vorjahren noch nachgewiesen werden konnten: Kleinspecht, Kuckuck, Habicht, Neuntöter, Sperber, Turteltaube und Wespenbussard. Umgekehrt wurde erstmals ein rufender Wendehals (jedoch nur einmalig) auf einer Streuobstwiese verhört und auch eine rastende Ringdrossel im Frühjahr ist erwähnenswert (Tab. 1). Die heterogenen Lebensräume an diesem Standort haben sich nicht verändert und auch wurde das Transekt viermal zur Brutzeit und je einmal vor und nach dieser begangen, sodass eine reduzierte Erfassungsintensität ebenfalls als Ursache unwahrscheinlich ist. Vier der sieben fehlenden wertgebenden Brutvogelarten sind zwar Zugvögel und sowohl auf ihrem Zug als auch in ihren Winterquartieren gefährdet, ein genauer Grund für den augenscheinlichen Artenrückgang 2021-2023 auf diesem Transekt kann bisher jedoch nicht genannt werden.

In der Ill-Aue bei Eppelborn wurden im Jahr 2023 insgesamt 20 Vogelnisthilfen angeboten, 21, wenn man den als Halbhöhle hängen gelassenen Starenkasten hinzuzählt, welcher Ziel von Vandalismus wurde. Von den sechs intakten Starenkästen wurden vier von der Zielart angenommen, zwei zudem durch Folgenutzung von Trauerschnäpper bzw. Meisen (Tab. 2). Von den sieben weiteren Höhlenkästen (mit kleinerem Einflugloch) wurde dieses Jahr ebenfalls der Großteil genutzt (vier, darunter drei Doppelbelegungen durch Meisen: Tab. 2). Umgekehrt wurde nur einer von acht Halbhöhlenkästen zur Brut angenommen und zwar vom Grauschnäpper (Tab. 2).

Es konnten wie in den Vorjahren an Arten der Fließgewässer und Auen Gebirgsstelze, Eisvogel, Trauerschnäpper und Sumpfrohrsänger festgestellt werden, der Grauspecht ist seit 2021 jedoch nicht wieder verhört worden (Tab. 1). Insgesamt erhöhte sich die beobachtete Artenzahl (auf 53) und auch die der möglichen bis sicheren Brutvögel auf 43 (Abb. 2) und schloss an Neunachweisen u.a. erstmals den im Saarland stark gefährdeten (Roth et al. 2020) Kuckuck auf der mit Galloway-Rindern extensiv beweideten Fläche mit ein (Tab. 1) sowie eine Grauschnäpperbrut (Tab. 1 und Tab. 2). Damit war die Ill-Aue bei Eppelborn im Jahr 2023 die Probefläche mit den höchsten Artenzahlen (vgl. Abb. 2), jedoch wurden hier auch die meisten Begehungen durchgeführt, sodass die Wahrscheinlichkeit, seltene oder schwierig nachzuweisende Arten anzutreffen hier erhöht war (Tab. 1).

Am Rübendellbach bei Urexweiler wurden zwar vier Arten weniger als im Vorjahr festgestellt, dafür eine mehr als 2021 und insgesamt blieb die Artenzahl mit 30-35 und die der (potenziellen) Brutvögel mit 26-27 stabil (Tab. 2). Der Lebensraum ist mit angrenzendem Laub-, Misch- und Nadelwald, einem recht großen Anteil an Feldgehölzen und Brachen zusammen mit extensiv genutztem Grünland als auch angrenzendem Acker als heterogen zu bezeichnen (Abb. 9). Hervorzuheben sind Grün- und Mittelspecht sowie Wacholderdrosseln während der Brutzeit und dieses Jahr auch erstmals rastende Rotdrosseln bei der Herbstbegehung; an streng geschützten und/oder Rote-Liste-Arten fehlten dieses Jahr jedoch Kleinspecht und Neuntöter bei den potenziellen Brutvögeln und auch wurden nicht wie im Vorjahr rastende Wiesenpieper entdeckt (Tab. 1). Zwei der fünf ausgebrachten Nisthilfen (=40%) wurden im Jahr 2023 vom Kleiber und Meisen angenommen, im Vorjahr waren es ebenfalls zwei, 2021 drei (Tab. 2).

Im Jahr 2023 erstmals erfasste Transekte

Zwischen Berschweiler und Urexweiler wurden im vergangenen Herbst/Winter alte Nisthilfen entdeckt und gereinigt und zwischen Urexweiler und Hirzweiler wurden mehrere Kästen im Herbst 2022 neu aufgehängt, weil wir an der dortigen Landstraße Bäume aus Gründen der Verkehrssicherheit fällen mussten. Diese beiden Transekte wurden erstmals begangen und die dort vorkommenden Vogelarten erfasst.

Zwischen Urexweiler und Hirzweiler wurden insgesamt acht Höhlenkästen (4 x 28 mm und 4 x 32 mm Einfluglochdurchmesser) entlang des dortigen Feldwirtschaftsweges an Bäumen angebracht, wovon alle acht direkt in der ersten Saison von Meisen zur Brut genutzt wurden; mindestens drei sicher von Blaumeisen und einer sicher von Kohlmeisen (Tab. 1 - Tab. 2). Mit 42 insgesamt erfassten und 32 möglichen bis sicheren Brutvogelarten weist die Probefläche dieses Jahr im Vergleich mit sämtlichen anderen die dritthöchsten Artenzahlen auf (Tab. 1, Abb. 3). Dies hängt sicherlich auch mit den heterogenen Lebensräumen und Landnutzungen zusammen, die verschiedenen Arten Brut- und Nahrungshabitat bieten (extensive Mähwiesen, Damwildgatter, Schafbeweidung, Feld- und Ufergehölze sowie kleinere Laubwaldinseln; angrenzend ans Naturschutzgebiet auch Ackerflächen: Abb. 10). Hervorzuheben ist hier sicherlich der Feldsperling, welcher im gesamten Gebiet nur noch sicher hier brütet (Tab. 1) und zwar in alten Obsthöhlenbäumen innerhalb des Damwildgatters. Er wird auch vermutlich durch die Viehfütterung profitieren; im Saarland steht der Feldsperling zwar bisher „nur“ auf der Vorwarnliste (Roth et al. 2020), jedoch sind gerade in den letzten Jahren extreme Bestandseinbrüche der Art zu verzeichnen, wenn man z.B. einfach die Meldungen in ornitho.de der letzten Jahre vergleicht. Auch der Feldsperling kann von Höhlenkästen profitieren, sodass bei erneuten Baumfällungen in diesem Raum, auch weitere in der Nähe des Damwildgatters aufgehängt werden sollten, um die Feldsperlinge zu unterstützen. Das Gebiet ist insgesamt als naturschutzfachlich wertvoll zu bezeichnen, was nicht nur unser Pflege- und Entwicklungsplan bestätigt sowie die in den 1990er Jahren (bei der Grunderfassung zum Naturschutzgroßprojekt) noch hier brütenden Braunkehlchen. Auch bei einer eigenen Begehung im Jahr 2020 konnten hier u.a. an wertgebenden Arten revieranzeigend Bluthänfling und Sumpfrohrsänger nachgewiesen werden, welche in den Folgejahren noch immer hier erwartet werden können.

Zwischen Berschweiler und Urexweiler wurden 16 Höhlenkästen entdeckt, welche anscheinend bereits vor langer Zeit von einer lokalen Naturschutzgruppe angebracht wurden; die Reinigung im vergangenen Herbst/Winter zeigte, dass diese schon längere Zeit nicht mehr stattfand, weshalb wir auch diesen Nisthilfenbestand in unsere jährliche Reinigungsaktion aufgenommen und entlang des dortigen Waldweges ein neues Erfassungstransekt eingerichtet haben. Dieses führt vollständig durch Laub- und Mischwaldbestände, sodass dadurch auch nur Waldvogelarten als potenzielle Brutvögel zu erwarten waren. Mit 17 möglichen bis sicheren Brutvögeln bleibt daher die Artenzahl auch lebensraumbedingt recht niedrig; nur 19 Arten insgesamt zeigen zudem an, dass der recht dichte Wald (außer bisher für Erlenzeisige und Wintergoldhähnchen) kein entscheidendes Rast- oder Überwinterungsgebiet darstellt (Tab. 1, Abb. 2). Von den 16 Höhlenkästen konnten 15 gereinigt werden (einer hängt zu hoch), davon waren 12 (= 80%) diesjährig zur Brut angenommen worden, fast alle von Meisen, einer vom gefährdeten Trauerschnäpper (Tab. 2). Da hier recht viele revieranzeigende Sumpf- und Tannenmeisen im Frühjahr verhört wurden, werden vermutlich manche (unbestimmte) Meisennester auch diesen zugeordnet werden können und nicht nur den häufigeren Kohl- und Blaumeisen (Tab. 1 - Tab. 2). An streng geschützten und/oder Rote-Liste-Arten wurden wie erwähnt der Trauerschnäpper sowie zur Brutzeit Mäusebussard und Sperber erfasst; im Jahr 2020 konnte in dieser Probefläche jedoch auch zufällig bei einem Spaziergang ein revieranzeigender Wespenbussard, ein keckernder Mittelspecht sowie mehrere Waldlaubsänger verhört werden. Diese Arten, als auch z.B. Habicht, Schwarz- und Kleinspecht, können in Zukunft hier noch erwartet werden.

Fazit Vogelnisthilfen

Allgemein kamen Purcell et al. (1997) bei ihrer Auswertung zum Bruterfolg mehrerer nordamerikanischer Vogelarten, welche sowohl in Nistkästen als auch natürlichen Baumhöhlen brüten, zu dem Ergebnis, dass die Nistkästen zwar teils keinen messbaren positiven Effekt im Vergleich zu Bruten in Naturhöhlen hatten. Jedoch schlüpften bei manchen Arten in den Kästen mehr Küken, die früher ausflogen und die Prädationsraten waren hier geringer. Auch Moller et al. (1989) merken an, dass der Bruterfolg in durch den Naturschutz ausgebrachten Nisthilfen „künstlich“ erhöht ist, indem hier ein geringerer Prädationsdruck herrscht und durch die regelmäßige Reinigung Parasiten entfernt werden. Newton (1994) fasste in seiner Literaturauswertung zu Höhlenbrütern zusammen, dass diesen allgemein durch die Erhöhung des Nistplatzangebotes, gerade in eher monotonen Kulturen geholfen werden kann, einerseits durch die Erhöhung des Totholzanteils mit z.B. natürlichen Spechthöhlen und andererseits auch mit künstlichen Nisthilfen. Dass ersteres teils selbst in Schutzgebieten schwierig sein kann, sieht man an unserer Ursprungsidee, weshalb wir Nisthilfen ausbringen: in dicht besiedelten Gebieten könnten viele sturzgefährdete Bäume theoretisch eine Straße oder einen Fußweg treffen, sodass sie oft gefällt werden müssen, bevor sie sich überhaupt zu Biotopbäumen entwickeln können.

Von unseren 76 ausgebrachten Höhlenkästen (inklusive Starenkästen, exklusive Waldkauz- und Baumläuferkästen) wurden 60 angenommen (=79%), von den inzwischen 16 ausgebrachten Halbhöhlenkästen jedoch wiederum lediglich zwei (=13%). Vögel können ähnlich zu Fledermäusen (Zahn & Hammer 2017) eine gewisse Zeit benötigen, bis sie Nisthilfen annehmen (Schönfeld & Brauer 1972). Trotzdem werden in Zukunft eher Höhlenkästen ausgebracht, da es anscheinend einen hohen Bedarf an Brutplätzen für Höhlenbrüter im Gebiet gibt. Der starke Besatz der Höhlenkästen rührte auch dieses Jahr v.a. durch die starke Annahme durch Meisen, meist Kohl- und Blaumeise, her. Auch in anderen, v.a. Waldgebieten, waren und sind Meisenarten über die Jahre die häufigsten Brüter (z.B. Schönfeld & Brauer 1972, Lühl 2011). Auch wenn fast alle Arten, die bisher von unseren Nisthilfen profitierten, in ihrem Bestand ungefährdet und häufig sind, merken Burns et al. (2021) zurecht an, dass die Wiederherstellung der einst noch höheren Abundanzen der „gewöhnlichen“ europäischen Brutvögel ein wichtiges Ziel bei der Wiederherstellung der avifaunistischen Biodiversität in Europa ist. Zudem ist nachgewiesen, dass die Erhöhung der Brutpaare von Meisen u.a. höhlenbewohnenden Vogelarten, die Arthropoden fressen und füttern, durch Nisthilfen eine natürliche Schädlingsbekämpfung ist, sowohl in Obstplantagen (García et al. 2021) als auch im Wirtschaftswald (Lühl 2011).

Die direkte, häufige Annahme neu ausgebrachter Höhlenkästen weist auf einen Brutplatzmangel hin, z.B. natürlicher Specht- und Totholzbäume (vgl. Newton 1994). Insgesamt wäre auf der einen Seite zu überlegen, in Zukunft Höhlenkästen an für Höhlenbrüter eher ungeeigneten Standorten, z.B. in relativ jungen Forsten oder in Nadelforsten anzubringen, weil etwa in Estland Höhlenkästen bei der Kohlmeise die besten Erfolge hatten, wenn diese in monotonen Nadelforsten aufgehängt wurden, welche dadurch erst besiedelt wurden (Mänd et al. 2005). Auch in Australien wurden Nistkästen v.a. in jungen, wiederaufgeforsteten Eukalyptuswäldern angenommen, v.a. wenn sie mit alten Wäldern in Verbindung standen (Lindenmayer et al. 2016). Willner et al. (1983) fanden jedoch umgekehrt heraus, dass man den Annahmeerfolg von Nistkästen für bestimmte nordamerikanische Vogelarten steigern kann, indem man die Kästen in für sie optimaler Habitatumgebung anbringt. Le Roux et al. (2016) beobachteten in einem Freilandexperiment, dass Nistkästen v.a. dann angenommen wurden, wenn sie an alten, großen Bäumen angebracht sind, die alten Höhlenbäumen ähneln, und nicht wenn sie an jungen, dünnstämmigen Bäumen hängen. Ob es auch in unserem Gebiet einen klaren Zusammenhang zwischen Umgebung der Kästen, Alter, Baum- und Kastentyp gibt, wird noch ausgewertet werden.

Umgekehrt muss man darauf hinweisen, dass Nistkästen Baumhöhlen nie 1:1 ersetzen können, alleine das Mikroklima in diesen unterscheidet sich signifikant: natürliche Baumhöhlen können Temperaturextreme viel besser abfedern und in ihnen herrscht eine höhere Luftfeuchte (Maziarz et al. 2017). Daher ist ein natürlicher Quartierbaum immer Nistkästen vorzuziehen und gerade im Naturschutzgebiet sollte der Anteil an stehendem Totholz so hoch wie möglich gehalten werden.

Wasseramselkästen

Diese speziellen Nisthilfen wurden für die Zielart an Sonderstandorten angebracht, d.h. unter Brücken über größere Fließgewässer im Gebiet. Hier wurde an 1-2 Terminen während der Brutzeit der Wasseramsel ca. eine viertel Stunde von der Brücke aus beobachtet, ob eine Annahme stattfand. Daher ist das Artinventar nur sehr unvollständig aufgenommen worden (Tab. 4) und die Ergebnisse werden separat behandelt. Von den zehn Ende 2021/Anfang 2022 neu ausgebrachten Betonnistkästen für die Wasseramsel waren dieses Jahr drei belegt (30 %), allesamt durch die Zielart. Das mehrjährige Wasseramselnest auf einer alten, nicht mehr funktionsfähigen Nisthilfe aus Holz (Hosterhof) wurde zudem evtl. auch im Jahr 2023 nochmals genutzt (neues Einflugloch im Moos).

Im Jahr 2005 überprüfte Neis (2007) die damals 54 für die Wasseramsel ausgebrachten Nisthilfen an Ill und Alsbach und fand nur in sieben Bruten der Wasseramsel, zudem einen Brutverdacht. Nichtsdestotrotz sind diese künstlichen Nisthilfen für die Wasseramsel in unserem Gebiet sehr wichtig, v.a. weil andere Niststandorte wie geröllreiche Uferböschungen oder aber Mauernischen unter Brücken größtenteils fehlen. Bei den ornithologischen Untersuchungen im Rahmen der Evaluierung des Naturschutzgroßvorhabens wurden im Jahr 2003 sämtliche 15 Bruten der Wasseramsel in solchen künstlichen, im Rahmen der Illrenaturierung vom NABU ausgebrachten, Nisthilfen nachgewiesen (unveröff. Daten). Daher sollen in Zukunft auch weitere Wasseramselkästen unter Brücken angebracht werden.

Fledermauskästen

Insgesamt wurden bis Anfang 2023 39 Fledermaushöhlen und 34 Flachkästen ausgebracht (Tab. 2). Da eine konkrete Überprüfung (z.B. mit einem Endoskop) nicht durchgeführt wird, ist bei allen Flachkästen eine klare Aussage zu einer Annahme nicht möglich (Tab. 2). Über Kotreste von Fledermäusen konnte jedoch die Annahme von ausgebrachten Fledermaushöhlen festgestellt werden. Insgesamt bei elf Fledermaushöhlen fand sich bei der Säuberung Fledermauskot am Kastenboden, in elf Fällen wenig, sodass es sich hier nicht von einer Wochenstube, sondern einem Tagesversteck von Einzeltieren ausgegangen wurde. Folglich wurden 28% der Fledermaushöhlen im Jahr 2023 von Fledermäusen genutzt. In weiteren neun Fällen (25%) kam es zu einem Besatz durch Meisen, welche darin brüteten; im Vorjahr war dies in vier und 2021 in sieben Fledermaushöhlen der Fall gewesen (Tab. 2). 18 Höhlenkästen blieben völlig ungenutzt, in den weiteren fanden sich Kleinsäugernester (meist Gelbhals- oder Waldmäuse) oder aber Kot, der Kleinsäugern zugeordnet wurde. Die Schlussfolgerungen von Zahn & Hammer (2017), die davon ausgehen, dass sich lokale Fledermauspopulationen erst an ausgebrachte Kästen „gewöhnen“ müssen und deren Annahme dauern kann, bestätigt sich demnach. Trotzdem kann es als Erfolg verbucht werden, dass nach drei Jahren fast ein Drittel der Höhlen angenommen wird, v.a. da es im ersten Jahr keine war.

Literatur

BirdLife Schweiz (2021): Nester in Nisthilfen. – Eigenverlag, Zürich (Link).

Burns, F. et al. (2021): Abundance decline in the avifauna of the European Union reveals cross-continental similarities in biodiversity change. – Ecology & Evolution 11: 16647-16660 (Link).

Dietz, C. & A. Kiefer (2014): Die Fledermäuse Europas: kennen, bestimmen, schützen. – Franckh-Kosmos, Stuttgart.

García, D. et al. (2021): Enhancing ecosystem services in apple orchards: Nest boxes increase pest control by insectivorous birds. – Journal of Applied Ecology 58: 456-475 (Link).

Le Roux, D. S. et al. (2016): Enriching small trees with artificial nest boxes cannot mimic the value of large trees for hollow-nesting birds. – Restoration Ecology 24: 252-258 (Link).

Lühl, R. (2011): Zum Einfluss höhlenbrütender Kleinvögel auf die Eichenwicklerschadgesellschaft. – Naturschutz südlicher Oberrhein 6: 167-172 (Link).

Mänd, R. et al. (2005): Providing nest boxes for hole-nesting birds – Does habitat matter? – Biodiversity & Conservation 14: 1823- 1840.

Maziarz, M. et al. (2017): Microclimate in tree cavities and nest-boxes: implications for hole-nesting birds. – Forest Ecology and Management 389: 306-313 (Link).

Moller, A. P. et al. (1989): Parasites, predators and nest boxes: facts and artefacts in nest box studies of birds. – Oikos 56: 421-423 (Link).

Lindenmayer, D. et al. (2016): Do nest boxes in restored woodlands promote the conservation of hollow-dependent fauna? – Restoration Ecology 24: 244-251 (Link).

Neis, A. (2007): Ansiedlung der Wasseramsel an Ill und Alsbach. Naturschutz im Saarland 3: 15.

Newton, I. (1994): The role of nest sites in limiting the numbers of hole-nesting birds: A review. – Biological Conservation 70: 265-276.

Ney, A. (1999): Untersuchungen zum Vorkommen der Wasseramsel (Cinclus cinclus aquaticus) im Saarland. Diplomarbeit an der Universität des Saarlandes, Fachrichtung Biogeographie. 105 S.

Purcell, K. L. et al. (1997): A comparison on the breeding ecology of birds nesting in boxes and tree cavities. – The Auk 114: 646-656 (Link).

Roth, N., Klein, R. & S. Kiepsch (2020): Rote Liste und Gesamtartenliste der Brutvögel (Aves) des Saarlandes. 9. Fassung. In: Minister für Umwelt, DELATTINIA und OBS (Hrsg.): Rote Liste gefährdeter Pflanzen und Tiere des Saarlandes – Eigenverlag, Saarbrücken und Landsweiler-Reden (Link).

Schönfeld, M. & P. Brauer (1972): Ergebnisse der 8jährigen Untersuchungen an der Höhlenbrüterpopulation eines Eichen-Hainbuchen-Linden-Waldes in der „Alten Göhle“ Freyburg/Unstrut. – Hercynia N. F. 9: 40-68 (Link).

Willner, G. R. et al. (1983): Nest-box use by cavitiy-nesting birds. – The American Midland Naturalist 109: 194-201 (Link).

Zahn, A. & M. Hammer (2017): Zur Wirksamkeit von Fledermauskästen als vorgezogene Ausgleichsmaßnahme. – Anliegen Natur 39: 27-35 (Link).


Veröffentlicht am 16.02.2024

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